Lio Okroi, M.A.

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Goethe-Universität Frankfurt
GRK Doing Transitions

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K U R Z B I O G R A P H I E

Lio Okroi studierte Politikwissenschaft an der LMU München und Soziologie an der Universität Freiburg. In ihrer Masterarbeit analysierte sie umkämpfte Erinnerungen und Identitäten in Bezug auf Lesben im Konzentrationslager Ravensbrück.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Queer Theory, Geschlechterforschung, Affekt- und Körpersoziologie, Erinnerungskulturen sowie auf diskursanalytischen und rekonstruktiven Methoden.

A K T U E L L E S

Interviewpartner*innen gesucht!

Ihr Geschlecht und/oder Ihre sexuelle Orientierung…

  • … ändern sich im Laufe der Zeit?
  • … erleben Sie als wandelbar?
  • … haben sich schon mal verändert?

Wenn Ihre Antwort auf mindestens eine dieser Fragen ja lautet, würde ich gerne mit Ihnen sprechen!

Promotionsprojekt: Fluid Transitions

In ihrem soziologischen Promotionsprojekt widmet sich Lio Okroi dem Themenfeld sexueller und geschlechtlicher Fluidität. Das Label genderfluid beschreibt Personen, deren Geschlechtsidentität sich im Zeitverlauf verändert. Je nach Person kann das Übergänge zwischen allen möglichen Geschlechtern und vergeschlechtlichten Ausdrucksformen bedeuten. Personen, deren Begehren und/oder romantisches Interesse sich im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Geschlechter richtet, können als sexuell fluide bezeichnet werden.

Mithilfe narrativer Interviews arbeitet Lio Okroi in ihrer Promotion erstens heraus, wie Personen, deren Geschlecht und/oder Begehren veränderlich sind, dahingehende Übergänge hervorbringen, erleben und gestalten. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer reflexiven und kritischen Übergangsforschung. Fluid Transitions sind eine Form transitionaler Devianz, die von Normalbiographien und klassischen Coming-out-Geschichten abweichen. Geschlechtlich und sexuell fluide Personen vollziehen Übergänge tendenziell häufiger, zu anderen Zeitpunkten und in anderer Weise als gesellschaftlich vorgesehen. Fluid Transitions lassen sich zudem nicht in Kategorien von Startpunkt/Zielpunkt oder Erfolg/Misserfolg denken. Ihre Erforschung und Theoretisierung ermöglicht daher eine queere, prozessuale und verflüssigende Perspektive auf Übergangsprozesse aller Art.

Lio Okroi interessiert sich zweitens für historisch gewachsene Diskurse rund um die Fluidität bzw. Stabilität von Geschlecht und sexueller Orientierung. In welchem Zusammenhang stehen diese mit umfassenderen gesellschaftlichen Übergängen, die sich derzeit vollziehen? Inwieweit und in welcher Weise ist es gegenwärtig möglich, Fluidität zu leben und über sie zu sprechen? Welche Identitätskategorien stehen wem zur Verfügung, welche Normen und Narrative drängen sich auf? Wie entstehen und verändern sich in Auseinandersetzung damit Subjekte – sei es durch Aneignung, Modifikation, oder Ablehnung bestimmter Subjektpositionen? Und inwieweit werden fluide Personen überhaupt als vollwertige Subjekte anerkannt? Mit dieser Frageperspektive schließt Lio Okroi an das Forschungsfeld der Subjektivierungsanalyse an, das das ambivalente Wechselspiel von Unterwerfung und Handlungsermächtigung im Prozess des Subjektwerdens untersucht.

Gestützt durch Körperkonzeptionen in den Queer und Trans Studies sowie durch die Methode des Body-Mappings fokussiert Lio Okroi drittens die körperliche Dimension von Fluid Transitions. Sie rekonstruiert, welche Körperbilder, -praktiken und -modifikationen in Übergängen und Subjektivierungsprozessen eine Rolle spielen. Zudem interessiert sie sich für Affekte und Emotionen wie Freude, Scham, Körperdysphorie und -euphorie, Neugierde und Angst. Denn (fluide) Subjekte sind keine immateriellen und abstrakten Entitäten, sondern fühlende, begehrende, verletzliche Körper aus Fleisch und Blut, die sich in Relationen formieren und verändern.

Insgesamt verfolgt Lio Okroi mit ihrem Promotionsprojekt das Ziel, die – gesamtgesellschaftlich, aber auch in den Sozialwissenschaften und in queeren Communities – vorherrschende Vorstellung einer allgemeingültigen Stabilität von Geschlecht und sexueller Identität zu hinterfragen.

Publikationen

Okroi, Lio (2023). Queering History? Spannungsfelder des Erinnerns im Audioguide ‚Queere Geschichte*n Freiburg‘. Invertito – Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 24.

Projekte

Der Audioguide Queere Geschichte*n Freiburg, den Lio Okroi im Rahmen ihres Masters erarbeitet hat, erzählt an 27 Stationen historische und aktuelle Geschichten über queere Personen, Themen, Ereignisse, Kontroversen, Szenen und Orte in Freiburg. Er wurde mit dem Bertha-Ottenstein-Preis der Universität Freiburg ausgezeichnet.

Vorträge

Okroi, Lio; Vatter, Lisa; Reich, Marie; Goerdten, Hans (2023). Fragen an eine kritisch-transformative Geschlechtersoziologie in Zeiten multipler Krisen. Vortrag im Rahmen des Workshops ‚Towards Sustainable Research‘, Justus-Liebig-Universität, 11. Dezember 2023, Gießen.

Okroi, Lio (2023). Contested Identities in the Memorialization of Lesbians in the Ravensbrück Concentration Camp. Vortrag für die Cambridge German History Research Group im Rahmen einer Reihe zu ‚Gender in German History‘, Cambridge University, 2. Juni 2023, London.

Okroi, Lio (2021). Queere Geschichte*n Freiburg – Spannungsfelder des Erinnerns im Audioguide. Vortrag auf der Jahrestagung des Fachverbandes Homosexualität und Geschichte e.V., 1.–3. Oktober 2021, Frankfurt a. M.

Mitgliedschaften

Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DSG)

  • Sektion Frauen- und Geschlechterforschung
  • Sektion Methoden der qualitativen Sozialforschung

Institut für qualitative Sozialforschung (IQS)

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)