Michael Bernhard, M.A.

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Goethe-Universität Frankfurt
GRK Doing Transitions

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Michael Bernhard ist Deutsch-Kanadier und studierte bis 2011 Erziehungswissenschaft, Psychologie und Philosophie an der FernUniversität in Hagen. In seiner Magisterarbeit zum Thema „Bridge Training Programs als Mittel zur beruflichen Integration von Einwanderern in Ontario” untersuchte er die institutionell-pädagogische Begleitung der Übergänge von erwachsenen Migrant*innen in den kanadischen Arbeitsmarkt. Im Anschluss an seine Migration nach Kanada in 2002 war er in Leitungsfunktion einer Erwachsenenbildungs- und Beratungseinrichtung mit Schwerpunkt Migrationsberatung tätig.  In seiner Arbeit mit Wilfrid Laurier University und der University of Waterloo entwickelte er Kurse für Community Service-Learning und betreute die praktische Ausbildung von Sozialarbeiter*innen. Seit Remigration nach Deutschland in 2013 arbeitet er als Regional Manager für ein franco-amerikanisches Aktiv- und Bildungsreiseunternehmen. Im Rahmen des Graduiertenkollegs “Doing Transitions” wendet er sich wieder der Untersuchung von Migrationsverläufen zu und erforscht in seiner Dissertation, wie Übergänge im Zuge von Migration im Erwachsenenalter auf individueller Ebene hergestellt, gestaltet und als Lernanlass genutzt werden.

Doing Transitions in Migration: Lern- und Gestaltungsprozesse in Übergängen erwachsener Migrant*innen in Kanada

Migration ist gekennzeichnet durch vielschichtige Übergangsprozesse und dem Zusammenspiel von individuellen, institutionellen und gesellschaftlichen Faktoren. Auf individueller Ebene unterscheiden sich Migrationsgeschehen vor allem durch deren Anlass (Flucht, Arbeitsmigration, Familiennachzug) sowie den vorausgehenden Bildungs- und Erwerbsbiografien. Im Diskurs der klassischen Einwanderungsländer, wie z.B. Kanada und zunehmend auch in Deutschland, wird die Zuwanderung hochqualifizierter Migrant*innen als Wettbewerbsvorteil und wünschenswert gesehen. Dieser politischen Absicht steht jedoch eine soziale Realität entgegen, in der sich strukturelle Benachteiligung und Exklusion von Migrant*innen im Bildungssystem und Arbeitsmarkt nachweisen lässt. Während die institutionell-pädagogische Unterstützung des Migrationsgeschehen diese Benachteiligungen zu adressieren versucht, ist die damit verbundene Herstellung von Normalitätsannahmen kritisch zu hinterfragen.

Im Fokus des Forschungsprojektes stehen die individuellen Lern- und Gestaltungsprozesse, die vor diesem Hintergrund des gesellschaftlichen Diskurses sowie den institutionellen Vermittlungen, Ein- und Ausgrenzungen stattfinden: Welche Lern- und Entwicklungsprozesse durchlaufen erwachsene Migrant*innen mit höheren Bildungsabschlüssen im Kontext der institutionellen Regulierungen innerhalb der kanadischen Migrationsgesellschaft? Inwiefern werden durch die individuellen Bewältigungsprozesse die Gestaltungsmöglichkeiten zukünftiger Übergänge vorstrukturiert? Wie spiegeln sich die diskursive und institutionelle Adressierung von Individuen als Migrant*innen und die entsprechenden normativen Aufforderungen zu Stabilität oder Veränderung in den Biografien der migrierenden Akademiker*innen wider?

Zur Beantwortung dieser Fragen folgt dieses Promotionsvorhaben der Verfahrenslogik der Grounded Theory und stützt sich auf durch Experteninterviews und narrative Interviews gewonnene Daten. Zur theoretischen Rahmung werden praxistheoretische Überlegungen, die Konzepte der Trajektorie und kulturelles Kapital, sowie ein pragmatistisches Verständnis von Lernen herangezogen. Der Anschluss an neuere Ansätze zur multidimensionalen Statuspassage im Migrationsgeschehen erlaubt den Blick auf die individuelle Bewältigung, sowie der Herstellung von Übergängen und von Normalitätsannahmen.

Eingebettet in die reflexive Übergangsforschung und verbunden mit einem reflexiven Verständnis der Migrationspädagogik soll durch den gewählten thematischen und forschungsdiskursiven Rahmen ein Beitrag zur konstitutions- und ungleichheitssensiblen Perspektive auf die latente Pädagogisierung des Migrationsgeschehen, die Idealisierung eines gelungenen Migrationsablaufes, sowie auf soziale Praktiken der Ein- und Ausgrenzung geleistet werden.