
Kontakt
Eberhard Karls Universität Tübingen
GRK Doing Transitions
Institut für Erziehungswissenschaft
Abteilung Allgemeine Pädagogik
Münzgasse 26, R 202
D – 72070 Tübingen
0049 7071/29-76752
flora.petrik(at)uni-tuebingen.de
Flora Petrik forscht als Post-Doc im Projekt InterCare (2024 – 2028) an der Goethe-Universität Frankfurt zu der Situation von Studierenden mit Pflegeaufgaben (student caregivers) und dem Verhältnis von Bildung und Care. Zuvor war sie am Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen tätig und koordinierte das interdisziplinäre Projekt „Ambivalenter Bildungsaufstieg – kultur- und sozialwissenschaftliche Zugänge im Dialog“ (Laufzeit: 2024 – 2026). Zu ihren Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählen soziale Ungleichheit in Schule und Universität (mit besonderem Fokus auf soziale Klasse), Pierre Bourdieus Praxistheorie, interpretative Sozialforschung sowie wissenschaftstheoretische und methodologische Fragestellungen.
Flora Petrik studierte in Wien und Jyväskylä Bildungswissenschaft, Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft. Nach Forschungstätigkeiten an der Universität Wien im Bereich „Bildung, Biographie und Gesellschaft“ promovierte sie als assoziierte Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg „Doing Transitions“ an der Universität Tübingen. Während ihrer Promotionszeit absolvierte sie Forschungsaufenthalte in Manchester (Education and Social Research Institute – ESRI/MMU), Barcelona (Globalisation, Education and Social Policies – GEPS/UAB) und London, Ontario (Faculty of Social Sciences/Western University).
In ihrem Dissertationsprojekt beschäftigte sie sich mit den Erfahrungen von denjenigen, die als erste in ihrer Familie ein Studium aufnehmen: Wie werden Bildungsaufstiege biographisch vollzogen? Welche Möglichkeitsräume eröffnet die Universität für biographische Transformationen? Und welche Prozesse rücken ins Zentrum, wenn nicht allein nach den Bedingungen des Gelingens oder Scheiterns von Bildungsaufstiegen gefragt wird? Dabei gerät nicht nur die Universität als Übergangsraum in den Blick, sondern auch die Herstellung und der Vollzug von Klassenübergängen.
Flora Petrik ist gegenwärtig Co-Leiterin des Forschungskollektivs „Ethnographische Collage“ und Co-Convenor der Bourdieu Study Group der BSA (British Sociological Association). Sie ist regelmäßig als Gutachterin für wissenschaftliche Zeitschriften tätig, u.a. BIOS: Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History, Critical Studies in Education und Sociology of Education.
Dissertationsprojekt: Auf Klassenfahrt – Biographische Perspektiven auf Bildungsaufstieg
In den letzten Jahren lässt sich Zuwendung zu der Erfahrungswelt sogenannter „First Generation Students“ erkennen; also jenen, die entgegen der statistischen Erwartung als erste in ihrer Familie den Weg an die Universität anstreben und ein Studium aufnehmen. Wie eignen sich Bildungsaufsteiger*innen die Universität an? Wie wird der Übergang in das akademische Feld vollzogen? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen biografischer und institutioneller Logik? Wer ist an diesen Klassenübergängen auf welche Weise beteiligt?
Um diesen Fragen nachzugehen, verknüpfe ich Pierre Bourdieus Theorie von Habitus, Kapital und Feld (vgl. Bourdieu 1982) mit biographietheoretischen Überlegungen (vgl. Fischer & Kohli 1987). Die theoretischen Perspektiven sensibilisieren meinen Blick auf das empirische Datenmaterial, das ich im Rahmen einer qualitativen Studie (2019-2024) in Deutschland und Österreich erhoben habe: biographisch-narrative Interviews mit first-generation Studierenden und autobiographische, schriftliche Texte, in denen Studierende von ihrem Bildungsweg erzählen. Die Untersuchung zeigt, dass sich Bildungsaufsteiger*innen die Universität in einem komplexen biografischen Prozess des Student*in Werdens aneignen. Dieser ist eingebettet in generationale Delegationen, situiert in Praktiken des Studierens und gestimmt durch Affekte der Un-/Zugehörigkeit.
Aktuelle Publikationen (Auswahl)
(2026) Finding their way: becoming a researcher in higher education studies. Higher Education Research & Development, S. 1-16 ** Open Access (gemeinsam mit Franziska Lessky, Sabine Weiß, Larissa Bartok & Magdalena Fellner)
(2026) Bildungsaufstieg zwischen Inklusion und Exklusion – Ein bildungstheoretischer Zugang zu sozialer Ungleichheit. Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, 102(1), S. 41-55.
(2025) Practices of Becoming: What and how do first-generation students learn when transitioning to university? In: Studies in Adult Education and Learning/Andragoska spoznanja 32(2), S. 135-153 ** Open Access
(2025) Mit Édouard Louis die Widersprüche des Aufstiegs erkunden: Autosoziobiografische Perspektiven. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE), 45(4), S. 341-356 (gemeinsam mit Luca Preite, Lina Zhou & Joseph Jurt) ** Open Access
(2025) Student*in Werden als soziale Praxis: Bildungsaufsteiger*innen an österreichischen Universitäten. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 50(25): 1-19 ** Open Access
(2025) Bildungsaufstieg als epistemologische Herausforderung. In: Paragrana. Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie, 34(1), S. 55-65.
Vorträge (Auswahl)
- 09/2024: Panel „Klassenübergänge – Bildungsaufstieg im Spiegel gesellschaftlichen Wandels“ (Organisation und Chair), DGS-Sektionenkonferenz Klassen, Klassifikationen, Klassifizierungen, Universität Osnabrück, 23. – 25.09.2024, gemeinsam mit Irini Siouti.
- 09/2024: Warum unsere Herkunft zählt. Keynote bei der Jahrestagung der Interessengemeinschaft Politische Bildung (IGPB), 16. – 17.09.2024, Steyr. (Einladung)
- 09/2024: Studierende schreiben Autosoziobiografien – von der Sprengkraft der Erfahrung und der Trägheit der Strukturen. Vortrag bei der Jahrestagung der DGfE-Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, 11. – 13.9.2024, Goethe Universität Frankfurt/Main.
- 06/2024: Ethnographie und Irritation. Meta-Analytische Zugänge. Vortrag bei der 8. Erziehungswissenschaftlichen Ethnographie-Konferenz, 27. – 29.06.2024 Pädagogische Hochschule Zürich, gemeinsam mit Sophia Richter.
- 06/2024: No Way Home? The experience of homecoming between social and spatial mobility. Vortrag im Rahmen Third International Conference of the journal “Scuola Democratica”, University of Cagliari, gemeinsam mit Alessandra Polidori und Giulia Salzano.
- 06/2024: Promising Young Academics: Social Magic in academic Mentoring and the role of social class. Vortrag im Rahmen der Third International Conference of the journal “Scuola Democratica”, University of Cagliari, gemeinsam mit Maria Keil.
- 03/2024: Ästhetik und Epistemologie. Einführende Überlegungen. Vortrag im Rahmen der Tagung „Klassismus in Hochschule und Gesellschaft“, 21. – 22.03.2024, TU Darmstadt, gemeinsam mit Markus Rieger-Ladich.
- 03/2024: Broken Promises? Biographical perspectives on Social Mobility and Education. Vortrag bei dem Forschungsnetzwerk “Cultura cívica y políticas educativas” am 15.03.2024, Universidad Complutense de Madrid. (Einladung)
- 03/2024: Zwischen Fremdheit, Aneignung und Ermächtigung. Studentische Bildungswege im Spiegel sozialer Ungleichheit. Vortrag bei dem DGfE-Kongress, 10. – 13.03.2024, Universität Halle/Saale.
- 03/2024: Bildungswege reflektieren – im Medium der Literatur. Vortrag bei dem DGfE-Kongress, 10. – 13.03.2024, Universität Halle/Saale, gemeinsam mit Christian Grabau.
- 02/2024: Between resistance and belonging: class experiences in Higher Education. Vortrag im Rahmen der Seminarreihe der Forschungszentrums GEPS, 23.02.204, Universitat Autònoma de Barcelona (Einladung)
- 09/2023: Vollmundige Versprechungen. Über Risiken und Nebenwirkungen der Rede vom Bildungsaufstieg. Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, 21.-23.09.2023, Universität Innsbruck, gemeinsam mit Markus Rieger-Ladich.
Lehrveranstaltungen (Auswahl)
Master-Seminar: „Erziehen wofür und für wen? – Theorie und Kritik der Erziehung“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, SoSe 2025)
Bachelor-Seminar: „Heterogenität“ (Universität Koblenz, SoSe 2025)
Bachelor-Seminar: „Theorien der Gefühle – Verflechtungen von Emotion, Affekt und Macht“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, SoSe 2024)
Master-Seminar: „Diversität und Intersektionalität – Formen und Wirkungen von Konstruktionen kultureller Differenz“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, WiSe 2023)
Bachelor-Seminar: „Soziale Klasse als erziehungswissenschaftlicher Grundbegriff“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, SoSe 2023)
Bachelor-Seminar: Qualitative Datenanalyse (Eberhard Karls Universität Tübingen, SoSe 2023)
Bachelor-Seminar „Von Arbeiterkindern und Bauerntöchtern – soziale Ungleichheit und Aufstieg in der Hochschule“, gemeinsam mit Jacqueline Hackl (Universität Wien, Sose 2021)
Bachelor-Seminar „Einführung in qualitative Methoden am Beispiel der Hochschulforschung“ (Goethe Universität Frankfurt am Main, SoSe 2021)
Bachelor-Seminar „Pierre Bourdieu: Bildung und soziale Ungleichheit“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, SoSe 2021/SoSe 2022)
Bachelor-Seminar „Grundfragen und Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, WiSe 2020/WiSe 2021/WiSe 2022/WiSe 2023)
Bachelor-Seminar „Studentische Perspektiven auf Hochschule – Ethnographie und Autoethnographie“, gemeinsam mit Alina Brehm (Universität Wien, WiSe 2020)
Mitgliedschaften
- Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft und Sektion Allgemeine Erziehungswissenschaft
- Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS), Sektion Biographieforschung und Sektion Bildung und Erziehung
- British Sociological Association (BSA); Co-Convenor of the Bourdieu Study Group (seit 11/2022)
- Promovierendennetzwerk der Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE)
- Goethe Research Academy for Early Career Researchers (GRADE)