Flora Petrik

Forschungsprojekt

Habituelle Übergänge im Studium

Bildungsabschlüsse werden sozial vererbt. Als verantwortlich dafür wird in sozialwissenschaftlichen Analysen im Anschluss an Pierre Bourdieu – neben fehlenden finanziellen Ressourcen und Zulassungsbarrieren – oftmals die fehlende habituelle Passung erachtet. Zwar wird in habitusanalytischen Arbeiten auf die dynamischen Momente habitueller Übergänge verwiesen, doch das ‚Wie‘ dieser Prozesse stellt bisher unerforschtes Terrain dar. Im Rahmen des Promotionsvorhabens werden diese interaktiven Prozesse der Akkulturation und habituellen Transformation im Kontext hochschulischer Übergänge aus einer multimethodischen Perspektive betrachtet. Dabei ist die Aneignung eines akademischen Habitus bei Bildungsaufsteiger*innen von besonderem Interesse: Wie lassen sich diese Prozesse und komplexen Dimensionen von habituellen Übergängen rekonstruieren? Welche Anrufungs- und Aneignungsprozesse werden im Übergang bedeutsam? In welchen Szenen und Erlebnissen vollziehen sich diese Transformationen? Zur Beantwortung der genannten Fragen werden verschiedene qualitative Forschungsansätze herangezogen: Biographisch-narrative Interviews, teilnehmende Beobachtungen und Autoethnographien. Die Kombination der verschiedenen methodischen Zugänge erlaubt es, an die Leerstellen der bisherigen Habitusforschung anzuschließen und Übergänge als widersprüchliche Prozesse der Aneignung und Anpassung zu verstehen. Dabei gerät sowohl der Übergang ins Studiumals zentrales Wechselverhältnis von diskursiv hergestellten Erwartungen, deren institutionelle Bearbeitung und individuellen Prozessen der Habitus­transformation in den Blick, als auch die Dynamik des habituellen Übergangsselbst.